Besuch bei der Verleihung des Deutschen Engagementpreises 2019

„Wer gibt, der bekommt auch zurück.“ So interpretierte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ein Gedicht von Bertold Brecht, das sie zur Eröffnung der Preisverleihung des Deutschen Engagementpreises verlas:

Vom Glück des Gebens
Höchstes Glück ist doch, zu spenden

Denen, die es schwerer haben
Und beschwingt, mit frohen Händen
Auszustreun die schönen Gaben.

Schöner ist doch keine Rose
Als das Antlitz des Beschenkten
Wenn gefüllet sich, o große
Freude, seine Hände senkten.

Nichts macht doch so gänzlich heiter
Als zu helfen allen, allen!
Geb ich, was ich hab, nicht weiter
Kann es mir doch nicht gefallen.

Ganz nach diesem Motto war der Abend ausgerichtet, an dem sich die Organisator*innen des Deutschen Engagementpreises bei allen Preisausrichtern (das sind auch wir!), vor allem aber bei den vielen Ehrenamtlichen bedanken wollten, die in der gesamten Bundesrepublik so viel leisten, dass das Bundesfamilienministerium inzwischen sogar eine eigene Abteilung für Engagement unterhält.

Wir sind der Einladung ins Deutsche Theater gern gefolgt und dankbar für einen ganzen Abend voller Gänsehaut, Wertschätzung und mit noch mehr Herzklopfen. Die ganze Veranstaltung wurde abwechselnd von zwei Gebärdenübersetzerinnen begleitet, die aus dem Publikum fast so viel Beifall bekamen wie die Preisträger*innen. Sie haben uns schwer beeindruckt! Beeindruckt waren wir aber natürlich auch von den unglaublichen Siegerprojekten, die in kurzen aber sehr ausdrucksstarken Filmen präsentiert wurden und denen dann ihre Preise von namhaften Laudator*innen überreicht bekamen:

In der Kategorie „Chancen schaffen“ erhielt Querstadtein e.V. den Preis für ihre Stadtführungen der besonderen Art, in denen ehemalige Obdachlose Schüler*innen durch Kieze führen, ihr Wissen weitergeben, verschiedene soziale Schichten verbinden und damit dafür sorgen, dass Obdachlose mehr wahrgenommen werden.

Den Preis für „Leben bewahren“ erhielten die Schülerinnen der Initiative stop microplastic Leonie Prillwitz, ihre Schwester Zoe und Aurélie Zimmermann für die Entwicklung von Mikroplastikfiltern für Haushaltswaschmaschinen und Waschbecken, durch die weniger Mikroplastik aus Kunstfasern und Kosmetikartikel wie z.B. Peelings und Zahnpasta in das Abwasser und damit in unsere Gewässer und Böden gelangen. Die Schülerinnen hatten für alle Gäste der Veranstaltung auch gleich wertvolle Alltagstipps zur Vermeidung von Mikroplastik zusammengestellt, die in die Programmhefte gedruckt waren.

In der Kategorie „Grenzen überwinden“ ging der Preis an die CDS GmbH – eine Digitaldruck-Firma, die viele Menschen mit Einschränkungen, v.a. aber Gehörlose beschäftigt. Den Hörenden Mitarbeiter*innen der Firma werden Kurse in Gebärdensprache angeboten, die sehr gut besucht werden. so entsteht ein starkes Miteinander aller Mitarbeiter*innen. Das erhöht die Motivation und sorgt für Gleichberechtigung bei der Arbeit.

Zum ersten Mal wurde ein Sonderpreis zum Thema „Demokratie“ vergeben, der an die Ostritzer Friedensinitiative ging. Mit ihrem Friedensfest schufen die Ostritzer Bürger*innen eine gelungene Gegenveranstaltung zu den immer wieder in Ostsachsen, nahe der polnischen Grenze stattfindenden rechten Veranstaltungen wie z.B. einem jährlichen Rechtsrockfestival. Über 500 engagierte Bürger*innen sorgen unterstützt von Kirchen, Stadtverbänden und Vereinen dafür, dass Ostritz kein braunes Nest ist – beispielsweise kauften sie den Nazis während ihres Rechtsrockfestivals das Bier weg. Die Initiator*innen meinen, in Ostritz gebe es nichts anderes zu feiern als ein Friedensfest. Die Ostritzer Bürgermeisterin betonte, man müsse den Bürger*innen Raum geben und Vertrauen haben. So entstünden Kreativität und Vielfalt. Das Projekt erhielt Standing Ovations vom Publikum.

Der Verein Tausche Bildung gegen Wohnen erhielt den Engagementpreis in der Kategorie „Generationen verbinden“. In Duisburger Problemkiez Marxloh wohnen junge Menschen, meist Studierende oder Bundesfreiwilligendienstleistende, kostenfrei direkt im Kiez in WGs und leisten im Tausch dafür Bildungs- und Kulturarbeit für rund 540 Kinder. Die Bildungspaten wirken nebenbei als Multiplikator*innen für den Kiez.

In der Kategorie „Demokratie stärken“ ging der Preis an ichbinhier e.V. Unter dem Hashtag #ichbinhier setzen sich über 45.000 Kommentator*innen auf Facebook gegen Hassbotschaften und für Toleranz, Vielfalt und digitale Zivilcourage ein. Die über 30 Moderator*innen des Vereins geben für die Kommentator*innen Schulungen zu Diskussionskultur, zum Grenzensetzen und Demokratie verteidigen.

Für den Publikumspreis, der an diesem Abend als letztes vergeben wurde, waren im Vorfeld über 105.000 Stimmen abgegeben worden. Der Preis ging an SOKO Tierschutz e.V., der sich gegen Tierquälerei und für Tierschutz einsetzt. Durch investigative Arbeit, die häufig in Konflikt mit der Pharma-Industrie, Laboren, Landwirten aber auch mit dem Gesetz steht, und in Zusammenarbeit mit Whistleblowern kann der Verein immer wieder grausame Missstände aufdecken. Es wurde schockierendes Filmmaterial gezeigt, sodass ein Raunen durch das Deutsche Theater ging. Einer der Gründer betonte, dass die Arbeit häufig frustrierend sei, dass es allerdings immer wieder auch echte Ergebnisse gebe, wenn zum Beispiel Schlachthöfe oder Primatenlabore geschlossen und sinnlose Tierversuche gestoppt werden können. Das Preisgeld soll dafür eingesetzt werden, weiter zu recherchieren, u.a. zum Thema Viehtransporte, und weitere Projekte umzusetzen.

An diesem Abend wurde von allen Laudator*innen und Veranstalter*innen immer wieder betont, wie besonders zwar die Siegerprojekte sind, dass sie aber nur einen kleinen Ausschnitt dessen zeigen, was die über 30 Millionen Ehrenamtlichen in der Bundesrepublik leisten. Einer der Initiatoren des Engagementpreises, Erich Steinsdörfer vom Bündnis für Gemeinnützigkeit, betonte, das bürgerliche Engagement müsse in die Öffentlichkeit und brauche viel mehr mediale Aufmerksamkeit. Man brauche neben all den „Bad News“ auch positive Botschaften und solle Geschichten darüber erzählen.

Bei uns sind die positiven Botschaften dieses Abends angekommen und wir haben uns sehr gefreut, uns im Anschluss an die Preisverleihung an Buffet und Bar noch mit vielen tollen Menschen unterhalten und positive Geschichten austauschen zu können. Denn gute Geschichten zu erzählen ist ja auch eine von unseren Missionen. In diesem Sinne: Erzählen auch Sie schöne Geschichten! Oder noch besser: machen Sie etwas, engagieren Sie sich und schreiben Sie diese Geschichten so am besten selbst!

Eine ausführliche Berichterstattung, mehr Infos zu den Preisträgern des Abends und wunderbare Bilder finden Sie hier!